Ich werde euch alle umbringen!
Angeregt von Sebastians erfreulich sachlichem Beitrag über das “Killerspielverbot” und den Protest dagegen, möchte ich doch in einem weiteren Artikel die Möglichkeit nutzen mir mal etwas von der Seele zu schreiben. Es zeigt wie logisch doch gedacht wird im Lager der BefürworterInnen dieses Verbotes. Also ich sags euch: Ich werde euch alle umbringen!
Also jetzt mal im Ernst, was soll das? Ich hab schon viele Leute getroffen, die großes Potential hatten mich derart zur Weißglut zu bringen, dass ich ausrasten muss. Geregt im Sinne von Mordgelüsten hat sich trotzdem nichts. Und das ist laut BefürworterInnen des Verbotes ja fast unmöglich.
Schließlich habe ich früher exzessiv Killerspiele gespielt. Counter-Strike, mit allem drum und dran. Kopfschüsse, Sachen in die Luft sprengen, Geiseln erschießen (natürlich nur aus Versehen), Granaten in Feindnester werfen und vieles mehr. Natürlich die unzensierte und blutige Version. Wie alt mag ich da gewesen sein? Irgendwas zwischen 15 und 18 glaube ich, jedenfalls habe ich noch frühe Beta-Versionen mitgenommen, für alle die das Thema näher kennen. Die Polizei hätte mich einsperren müssen, gemeinsam mit den Massenmördern, wenn sie das gesehen hätte. Da hab ich wohl Glück gehabt.

Daumen hoch sagt auch Angie!
„Naja“, wird Schäuble jetzt sagen: „Daumen hoch! Offenbar hast du dich ja doch ok entwickelt. Naja, außer vielleicht, dass du bei den Jusos gelandet bist und manchmal schlecht über mich redest. Aber es gibt sicher eine Erklärung. Du hast bestimmt nicht so viel gespielt, richtig? Oder hast du andere Komponente für einen erfolgreichen Massenmord weg gelassen: Musik von Marilyn Manson hören?“ Ich Antworte ihm: „Och Wolle! Ich rede immer schlecht über dich und auch sonst muss ich dich enttäuschen. Ich hab beim Headbangen zu Rage Against the Machine Glühbirnen an Kellerdecken zerstört und den Schmerz mit Alkohol betäubt. Ich hab gespielt wie ein Beserker, von 14 Uhr am Mittag bis 2 Uhr in der Nacht. Geschlafen habe ich am Morgen in der Schule und guess what: Ich war richtig gut, fast Pro-Gamer. Tja scheiße, wenn die Leute nicht in die Schublade passen, was Mr. Stasi2.0?“
Da fällt ihm so schnell nichts mehr ein. Aber meine Fragen bleiben bestehen: Was soll denn diese Kriminalisierung? Offenbar ist an der „EntscheiderInnengeneration“ eins vorbei gegangen: Die Jugend ändert sich! Nur weil ihr zu lahm und zu arrogant seid das Internet zu begreifen und ernst zu nehmen (siehe auch Zensursula..), heißt es nicht, dass alles so bleibt wie früher. Ich möchte mal behaupten, dass heutzutage so gut wie auf allen Rechnern von Jugendlichen Killerspiele zu finden sind und nur eine Partition weiter (liebe Zensursula, so bezeichnet man einen Teil einer Festplatte – Wieder was gelernt, was?) findet sich gewalt- oder sexverherrlichende Musik.
Doch wenn ein Amoklauf passiert und irgendwer völlig bescheuertes in die Menge ballert, weil er psychische Probleme hat, nicht geliebt wird, mit dem Druck nicht umgehen kann, oder was auch immer, dann wird schnell die beruhigende Lösung präsentiert: Spiele und Musik.
Und was soll ich euch zurufen, liebe BefürworterInnen eines Killerspielverbotes? Ihr habt Glück gehabt, ich habe die virtuelle Kalaschnikow inzwischen an den Nagel gehangen und auch mein Musikstil hat sich – zum Leidwesen einiger FreundInnen – geändert. Ich bin also nicht mehr gefährdet? Aber was macht ihr, wenn demnächst mal wer ohne Killerspiele, Gewaltvideos oder Gewaltmusik ausrastet? Oh Schreck! Ich hab eine Idee und da wird erschreckender Weise deutlich, dass ich noch nicht aus dem gröbsten raus bin. Ich wette Brotmesser und dazugehöriges Brot sind in deutschen Küchen prozentual ähnlich oft zu finden, wie Gewaltspiele auf Rechnern der Jugendlichen. Also liebe Leute und liebe Polizei: Ich habe Brotmesser, ich habe Brot, ich bin nach wie vor ein potentieller MASSENMÖRDER!
Sei mir nicht böse, aber deine Argumente sind nicht neu. Genau so wie die Gegner um Schäuble, Zensursula and Company schon seit Jahren gleich argumentieren.
Aber du sprichst auch den wirklich wichtigen Punkt an, der den ganzen Konflikt begründet: Die ältere Generation kennt das Medium Videospiele sogut wie nicht. Die Menschen, die mit Videospielen aufgewachsen sind, sind heute die 25 bis 35 Jährigen.
Meiner Meinung nach hilft da nur Aufklärung, den älteren vor den Kopf zu stoßen und zu sagen “Ihr seid blöd, ihr habt keine Ahnung!” ist im Kern zwar wahr -so traurig das auch ist-, wird sie aber in ihren Ansichten bestärken und für andere Meinungen verschließen.
“Nur wer Videospiele selbst probiert hat, kann sie verbieten – Ignoranz hilft nicht” stand in der letzten Ausgabe des GEE-Magazins. Dort findet man einen sehr guten Artikel zu dem Thema der sich eben auf diesen Aspekt “Generationenkonflikt” -so sehr ich auch dieses Wort für falsch halte- konzentriert und eine wie sonst kaum eine objektive Darstellung beider Seiten beinhaltet. Sehr lesenswert.
Susanne Kubiak kommentiert am So 12.07.2009 12:06:Ich habe früher Slipknot gehört und hör es immer noch. So. Jetzt ist es raus.
Veith Lemmen kommentiert am So 12.07.2009 12:06:Lieber Georg,
danke für deinen Kommentar und vor allem die Tipps zum weiterlesen. Davon werde ich sicher Gebrauch machen. Im übrigen hast du natürlich recht mit den Dingen die du sagst, ich wollte nur die Gelegenheit nutzen, um das Ganze mal zu überspitzen. Selbstverständlich wäre dies aber nicht die Möglichkeit, um andere davon zu überzeugen.
Aber es macht schon traurig, dass viele Vorurteile mal wieder nur gehegt und gepflegt werden, weil man das Thema nicht kennt. Und Susanne: Du bist böse, ich hab Angst…


So, 12.07.2009
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