Die Männerkrise, die keine ist
Die Zeit widmete sich in der Titelstory der letzten Ausgabe der Weiberwirtschaft. Gemeint sind die vermeintlichen Krisengewinnerinnen, die die Zeit in den Frauen zu sehen glaubt. Weil sie flexibler seien und an prekäre Beschäftigungsverhältnisse gewöhnt, treffe sie die Krise nicht so hart wie die Männer. Frau schlägt sich eben durch und gibt sich auch mit einer Halbtagsstelle zufrieden, wenn nichts anderes rumkommt. Die Frauen nehmen es „schulterzuckend“ hin, während Männer ihren Status am Bild des Ernährers messen. Prekäre Jobs werden da selten als Alternative empfunden, sodass die Devise bei Männern häufig heiße: Entweder Ganz oder garnicht.
Deshalb sind aber die Frauen diejenigen, die- betrachtet man den Arbeitsmarkt - aus der Krise gestärkt hervorgehen – weil sie sich in prekären Arbeitsverhältnissen eher schlecht als recht einzurichten vermögen.
Das Zauberwort der Arbeitsmarktpolitik der letzten Jahre hieß wohl Flexibilität. Komisch, dass ich da immer nur Prekarität höre, so ein Modewort, das aber in seiner ganzen Hässlichkeit die Situation ganz treffend beschreibt. Und dass schlechte Bezahlung, befristete Arbeitsverhältnisse und ein gewisser Hang zur Selbstausbeutung (meist in Verbindung mit weniger Selbstbewusstsein bei Gehaltsverhandlungen) eher Frauen betrifft, wissen wir ja nicht erst seit gestern. Aus der Finanzkrise, die eine Wirtschaftskrise wurde, soll nun also die Männerkrise geworden sein, so die Zeit weiter.
Ich sehe hingegen deutliche Anzeichen für eine Krise auch bei den flexiblen Frauen, den vermeintlichen Gewinnerinnen der Krise. Für mich sind sie eher diejenigen, die nie soviel zu verlieren hatten wie ihre Kollegen.


Do, 30.07.2009
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