Gibt es uns bald nicht mehr?
Ein Kommentar zu den aktuellen Bevölkerungszahlen in NRW

Am gestrigen Mittwoch hat das Statistische Landesamt die aktuellen Bevölkerungszahlen in Nordrhein-Westfalen veröffentlicht. Die Diagnose für unser Bundesland lautet: Wir werden weniger.
Schnell schießt einem der Dauerbrenner unter den Ausdrücken, demographischer Wandel, durch den Kopf.
Schauen wir aber mal zuerst, was denn die Bevölkerungsabnahme verursacht hat. Da ist auf der einen Seite der Sterbefallüberschuss, auf der anderen Seite, und das ist neu, ein negatives Wanderungssaldo, sowie ganz pragmatisch, eine Bereinigung der Daten in den Einwohnermeldeämter, die doppelte Meldungen von Personen ausräumte.
Letzterer Grund ist ein Fall für die Statistik.
Die ersten beiden hingegen können sehr wohl mit dem demographischen Wandel und seinen Folgen in Verbindung gebracht werden. “Wir werden weniger, älter und bunter,” das Credo des demographischen Wandels ist zu seinen größten Teilen in den aktuellen Zahlen wider gespiegelt.
Hat uns der demographische Wandel denn nun kalt erwischt?
Jein. Es gibt ihn, aber sicher nicht plötzlich. Die Folgen werden aber jetzt erst langsam richtig sichtbar und sie werden uns in Zukunft noch mehr fordern. Insbesondere die Politik ist gefragt, zu neuen Lebensstilen auch neue Konzepte zu entwickeln. Kurzgegriffene Verschiebungen des Altgehabten sind sicher nicht für einen langfristigen Trend wie diesen geeignet.
Die Stadtplanung, aber auch andere Lebensbereiche, wie der Immobilienmarkt, Mobilität und Bildung werden die Auswirkungen unmittelbar spüren. Ein Tipp für Konservative an dieser Stelle: Vielleicht einmal mehr über die Schaffung von Gemeinschaftsschulen nachdenken, anstatt in verkrusteten dreigliedrigen Strukturen zu verharren.
Dass man dieses Handeln nicht verschlafen darf, zeigt uns ein Blick in die Innenstädte von Manchester oder Liverpool. Hier hat der demographische Wandel knapp 30 Jahre früher gegriffen und resultiert nun in hohen Leerstandsquoten und verwaisten Stadtteilen. Uns zeigt dies aber auch: Wir sind nicht alleine mit dem Problem. Die meisten industrialisierten Länder müssen mit abnehmenden und älter werdenden Gesellschaften umzugehen lernen, eine dramatische Entwicklung auch für die jeweiligen Arbeitsmärkte. Jedoch machen die meisten Staaten etwas besser als Deutschland: Während man sich hier noch vor der Einwanderung sträubt und den Bevölkerungsteilen mit Migrationshintergrund weder gleiche Rechte noch Chancengleichheit zugesteht, integrieren andere Staaten kurzerhand AusländerInnen und MigrantInnen in ihrer Gesellschaft, fördern diese und nutzen deren Potenziale. Es ist wichtig, dass Einwanderung nicht als Gefahr, sondern als Chance für eine schrumpfende Gesellschaft begriffen und so behandelt wird. Wir werden – und da sind sich ForscherInnen einig – nicht um die Integration aller Bevölkerungsteile herum kommen.
Auch hier nochmal ein kleiner Wink an Herrn Schäuble, vielleicht ist ein Bekenntnis zum Einwanderungsland Deutschland doch nicht so verkehrt.
Super Artikel! Und ein Arbeitsauftrag an alle Jusos. Denn wir müssen Konzepte entwickeln, wie wir mit dem demographischen Wandel umgehen. Schließlich wird uns dieses Thema in Zukunft immer dringender beschäftigen. Stichwort: Stadtplanung, aber wie Susanne ganz richtig schreibt, auch gute Planung für Flächenbezirke.. Und gaanz wichtig: Integration zum Thema machen!!
Fazit: Im Kommunalwahlkampf viele “Meine Stadt Flyer” verteilen, das wäre ein 1. Schritt!
Die “Beweise” zegien auch, dass die elitären baden-württembergischen Frühselektionisten sich nicht darum kümmern, sozial schwächere Schüler oder Kinder mit Migrationshintergrund mit einzubinden.Von den psychischen Belastungen dank der Grundschulempfehlung für Neunjährige, die darauf mit allerlei gesundheitlichen Symptomen reagieren, auch nicht.Und: niemand bei Rot-Grün will doch ernsthaft das Gymnasium und das Abitur abschaffen! Ihr versucht nur verzweifelt, die alte Keule “Einheitsschule = leistungsschädigend = kommunistisch = schlecht” auszupacken. Macht nur so weiter… eure Zeit läuft ab!


Do, 16.07.2009
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