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Abgelegt in: Allgemein, Netzpolitik

Protest der Internetgemeinde

wwwprotestNach der Petition gegen die Internetsperren formiert sich nun weiterer Widerstand – diesmal gegen Computerspiel-Verbote. Bereits über 36.000 Menschen haben die Online-Petition von Peter Schleußer unterzeichnet, die den Bundestag auffordert, gegen den Beschluss der Innenministerkonferenz vom 5. Juni 2009 zu entscheiden. Der Beschluss sieht ein “Herstellungs- und Verbreitungsverbot” von “Spielen, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist” vor.

Mit dem Beschluss der Innenministerkonferenz beweisen ein Großteil der Politiker wieder einmal, dass symbolische Handlungen wichtiger sind, als eine umfassende Beschäftigung mit der Problematik. Auslöser des Verbots ist der Amoklauf von Winnenden. Wie bei jedem Amoklauf von jungen Menschen in den letzten Jahren, sind immer wieder sogenannte “Killer-Spiele” unter Beschuss geraten. Die vielschichtigen Aspekte wie Ausgrenzung, Mobbing, das diskriminierende und druckausübende Schulsystem und familiäre Probleme wurden dort bisher immer erfolgreich von Politik ausgeblendet.

Daher überrascht der Erfolg der nun aktuellen Online-Petition auch nicht. Diese kann ähnlich viele – vor allem junge – Menschen mobilisieren wie die Petition gegen die Internetsperre. Diese unterzeichneten am Ende über 134.000 Menschen – trotz dieser enormen Beteiligung ist der Erfolg leider ausgeblieben – die Internetsperren werden nun Realität. Es bleibt nur zu hoffen, dass der neuen Petition nicht das gleiche Schicksal wiederfährt. Dies nicht nur auf Grund der Sinnlosigkeit des geplanten Verbotes, sondern insbesondere auch wegen schwindendem Vertrauen vieler Menschen in die Politik.

Die Internetgemeinde ist nicht unpolitisch, wie viele bisher dachten. Das beweisen die zahlreichen Initiativen gegen Internetsperre und Killerspiel-Verbot. Mit jedem übergehen der Interessen der Gemeinde schwindet jedoch das Vertrauen in die handelnde Politik, die reaktionär und ineffektiv Probleme angeht und beweist, dass viele mit der Online-Welt nicht vertraut sind.

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Katharina Oerder kommentiert am Sa 11.07.2009 10:56:

Von wegen “Politikverdrossenheit der Jugend”!

Taner Ünalgan kommentiert am Sa 11.07.2009 10:56:

Glaub mir, es herrscht in der Internetgemeinde echt eine Wut wg. der Internetsperren und ein “Killerspiel”-Verbot wird dieses nur enorm verstärken und dafür sorgen, dass sich viele Leute von den Politikern enttäuscht fühlen – ich glaube, zurecht.

JayNightwind kommentiert am Sa 11.07.2009 10:56:

Das Verbot von diesen “Gewaltspielen” geht ja auch in erster Linie vorbei an den Absichten der Politik. (Wenn man mal die Absicht damit Wahlkampf für die Alterklassen zu treiben, die nicht Generation Videospiele sind absieht)
Urspünglich wollte man das Gewaltpotential und die Amoklaufbereitschaft von Jugendlichen dadurch senken. Aber eine Gesellschaft die a) privaten Waffenbesitz noch erlaubt und b) jeden gesunden 18jährigen verpflichtet für sein Vaterland das Töten zu erlernen, darf nicht an dem Punkt aufhören, das sie diese Spiele verbieten.
Ich bin gegen ein solches Verbot, denn es ist Zensur. Videospiele sind wie Bücher, Bilder, Fernsehen, Musik etc. eine kulturelle Kunstform. Allerdings eine, die so noch nicht verstanden wird, weil sie einen sehr starken technischen Unterbau hat. Der kreative Prozess der Erschaffung eines Videospiels bleibt den meisten verborgen.
Außerdem ist die Beweisführung für die Schuldzuweisung gegenüber den Amokläufern miserabel gewesen. “Der Amokläufer hatte das Gewaltspiel Counterstrike in seinem Besitz” Okay. Wie oft haben die Ermittler und die Medien sich gefragt ob andere “statistische Faktoren” erfüllt waren?
100% der Amokläufer sind ein einem christlich orientierten Staat aufgewachsen. 100% der Amokläufer haben zum Frühstück Brot gegessen. 100% der Amokläufer haben durch das Fernsehen verschobene Realitätsabbilder präsentiert bekommen. usw.

Die Frage, warum überhaupt soviele Gewaltspiele entstehen, könnte man ja auch mal vielleicht Gesamtgesellschaftlich stellen? Sehnen wir uns nach mehr Gewalt?

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