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for designTim Schlösser for designSa, 08.08.2009

Wahlkampf – Sicht von außen

Derzeit betreue ich ein Seminar für 22 DiplomatInnen aus 22 verschiedenen Entwicklungsländern. Diese werden im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ) zum Thema Regierungsverhandlungen und den Möglichkeiten der entwicklungspolitischen Kooperation mit Deutschland geschult. Vier Wochen verbringen die TeilnehmerInnen hier bei uns und erhalten nicht nur einen Einblick in die inhaltlichen Themen, sondern auch in den deutschen Alltag.

Besonders interessant sind dabei für mich, abgesehen von den spannenden politischen Diskussionen, besonders die kulturellen Unterschiede die offenkundig werden. Dies bezieht sich auch auf den derzeit stattfindenden Kommunalwahlkampf in NRW. Bei einer Stadtführung heute begneteten uns zahlreiche Plakate, Wahlstände und ähnliches. Für uns in diesem Jahr ein beinahe ein alltäglicher Anblick, über den wir uns nicht wundern und über dessen Form sich die BürgerInnen normalerweise nur wenig Gedanken machen. Nicht so jedoch unsere ausländischen Gäste.

Eine Teilnehmerin aus Zentralamerika zeigte sich sehr verwundert über die Gestaltung der Wahlplakate. Ich wurde bspw. gefragt, wieso die KandidatInnen nicht lachen würden und alle aussähen als hätten sie keinen Spaß an ihrer Arbeit. In ihrem Land könne man mit einer solchen Bildsprache nur verlieren. Auch das “Familienfest” der CDU auf dem Marktplatz kam der jungen Diplomaten weniger wie ein Fest, sondern eher wie eine Trauerfeier vor. Der Nieselregen wird zu dieser Einschätzung sicherlich beigetragen haben.

Für Verwirrung sorgte bei einem anderen Teilnehmer die richtungspolitische Einordnung der FDP. Wieso die “Liberalen” den in Deutschland eher mit den Konservativen koalieren würden? Dann wären sie ja nicht wirklich liberal. Nach anfänglichem Schmunzeln meinerseits, konnte dann durch einen Verweis auf die sprachlichen Unterschiede zwischen “liberal” im deutschen und “liberal” im englischen Wortsinn und ein paar Sätzen zum Thema wirtschaftsliberal vs. gesellschaftlich liberal Klärung herbeigeführt werden.

Schwieriger wurde es dann bei der Beantwortung von Fragen zur gesellschaftlichen Akzeptanz von Parteien in Deutschland. Eine Teilnehmerin aus Afrika fragte mich, ob viele Menschen bei uns Parteimitglieder seien und ob man mit einem Parteibuch Ansehen genießt oder nicht? In ihrem Land würde sich die Intelligenzija aus den Parteien raushalten, weil die Diskussionen und Methoden zu vulgär wären und die wirklichen Entscheidungen woanders getroffen würden. Mein Versuch die Bedeutung der Parteien in Deutschland über die Verankerung im Grundgesetz und das Wesen der parlamentarischen Demokratie zu erklären verschaffte etwas Klärung. Das sich in Deutschland Menschen aus allen Altersklassen und unterschiedlichsten sozialen Schichten parteipolitisch engagieren sorgte jedoch für einige Belustigung, besonders da ich die Frage nach der tatsächlichen Entscheidungsgewalt nicht zufriedenstellend beantworten konnte.

Das nur als kleiner Einblick in die Wahrnehmung von politisch interessierten AusländerInnen von unserem Kommunalwahlkampf. Die Außensicht führt manchmal zu Fragen und Einschätzungen die wir uns selbst gar nicht mehr stellen. Zu Denken gegeben haben sie mir allemal.

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