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Archiv für Oktober, 2009

Endlich wird wieder über Integration diskutiert! Lange vernachlässigt, obwohl die Probleme offensichtlich sind, streitet man nun wieder darüber. Wie meistens in solchen Debatten, passte auch diesmal der Aufhänger nicht. Der ehemalige Finanzminister Berlins tönte, er müsse niemanden respektieren, der nur kleine Kopftuchmädchen produziere, usw. Niemand mit Migrationshintergrund muss einen Politiker respektieren, der sich so klar fremdenfeindlich äußert.

Die Reaktionen der Leute bei Befragungen auf der Straße oder in Leserbriefen sind dann doch ziemlich erstaunlich: Die große Mehrheit findet es in der Sache richtig und meint, dass sich Migranten einfach mehr anpassen müssten. Viele waren sogar dankbar, dass endlich mal jemand ausspricht, was „Tatsache“ sei.

Nur wenige Tage später lieferte die Zeitung dann eine wissenschaftliche Begründung dafür, warum MigrantInnen oft eben „nur im Obst- und Gemüsehandel“ arbeiten. Selbst bei gleicher Qualifikation werden MigrantInnen bei Bewerbungen allein aufgrund ihres ausländischen Namens oft abgewiesen. Die Arbeitslosigkeit ist bei hochqualifizierten MigrantInnen sehr viel höher als bei jungen Leuten ohne Migrationshintergrund. Deutschland ist laut OECD der große Verlierer, wenn es um Chancengleichheit für MigrantInnen in Sachen Bildung und auf dem Arbeitsmarkt geht.

Und nun muss sich ein arbeitsloser, aber hochqualifizierter Mensch mit Migrationshintergrund anhören, dass er ja nur Kopftuchmädchen produziere?

Interessant war jedoch auch der Vorschlag einer muslimischen Verbandes, der als wichtigen Schritt für die Integration einen muslimischen Feiertag in Deutschland einführen wollte. Ja, und am besten noch einen Kurdischen, einen für orthodoxe Christen und einen für Buddhisten. Statt religiös immer weiter aufzurüsten, ist es doch jetzt mal an der Zeit gemeinsame Dinge zu betonen, statt die Spaltung noch zu zementieren. Außerdem gibt es wohl für Menschen mit Migrationshintergrund wichtigere Probleme als einen muslimischen Feiertag.

Die Parallelgesellschaft ist wohl da, aber das zu ändern müssen wir erst mal einige Mauern einreißen: im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, im Umgang miteinander und vor allem in den Köpfen.

Plakat der Kampagne

Plakat der Kampagne

Die NRW-Landesregierung hat eine bis zum Jahresende andauernde Werbekampagne für die Einbürgerung gestartet. Der schöne Titel lautet “Nordrhein-Westfalen: Hier sind wir zuhause”. Mit 500 Großflächenplakaten und 50 Veranstaltungen in 10 Städten soll für mehr Einbürgerung gesorgt werden. In den Städten Aachen, Bonn, Dortmund, Duisburg, Düsseldorf,Gelsenkirchen, Herne, Köln, Remscheid und Wuppertal wird nun versucht durch Werbung mehr Einbürgerungen zu schaffen, denn im letzten Jahr wurden insgesamt 6.000 Menschen weniger eingebürgert als noch 2007 (32.000).

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for designNathalie Golla for designDi, 06.10.2009
Abgelegt in: Allgemein

Es wird kalt in Deutschland. Ist das schon der Vorgeschmack auf die soziale Kälte, die von  schwarz-gelber Politik verströmt wird, oder nur der Herbst?
Soziale Grausamkeiten seien nicht zu erwarten von einer schwarz-gelben Koalition im Bund, hört man allerorts. Im Gegenteil: Der „Mitte“ soll noch gegeben werden, die LeistungsträgerInnen zu neuen Leistungstaten motiviert. Ein Motivationsschub für die früh aufstehende, hart arbeitende “Mitte” soll uns – dank Steuersenkungen – schon bald aus dem Tal tragen. Hört sich doch alles toll an! Nach Aufbruch und mehr Geld in der Tasche. Nur nicht für die prekär Beschäftigten am ausfransenden unteren Rand der „Mitte“. Die stehen zwar auch früh auf und arbeiten auch hart, aber wenn der Markt sagt, dass dafür nur fünf Euro die Stunde rausspringen, dann hat der Markt wohl recht. Achja: Der Markt sagt auch, die „Bahn“ muss privatisiert werden, genauso wie das Gesundheitssystem. Das Bildungssystem übrigens auch, aber das darf man nicht sagen, das könnte dann doch die Menschen verschrecken. Also lieber „Beiträge“ einführen, dass hört sich schon viel sozialer an.
Nein, mit Grausamkeiten haben wir wohl nicht zu rechnen. Es werden durch diese Koalition ganz subtil die Paradigmen verschoben, die Diktatur des Marktes wird sanft eingeführt, statt mit der Brechstange, wie es die Koalitionspartner vor vier Jahren bereits erfolglos versucht haben. Die Rede ist dann von Eigenverantwortung statt von Kürzungen und Streichungen. Mir fröstelt…

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