Kriminalisiert, durchsucht, erfolgreich blockiert!
Der frühe Vogel fängt den Wurm. Diese alte Weisheit beherzend waren knapp 50 NRW Jusos schon am Freitagabend Richtung Dresden aufgebrochen, um dort gegen einen Nazimarsch zu demonstrieren. Das verdutzte im nachhinein sogar die Ordnungsmacht. Auf der späteren Rückfahrt fragte ein Polizist in Hessen: Wann seid ihr denn hingefahren, wir haben euch Samstagmorgen gar nicht gesehen. Das wiederrum zeigt, für wie brenzlig die Polizei, ganz unabhängig vom unglaublich beschissenen Wetter (Durchschnittsgeschwindigkeit gefühlte 30 km/h), den Ausflug nach Dresden hielt. Doch davon ließen die NRW Jusos sich nicht beeirren und waren am Samstagmorgen, während man uns in Hessen offenbar suchte, schon vor Ort in Dresden am Albertplatz. Und die Rechnung ging auf: Wie der frühe Vogel sein Ziel erreicht, so auch die Jusos, getreu dem Motto “Die frühen Antifaschistinnen und Antifaschisten besetzen die Kreuzung.”

Um kurz nach 7 Uhr waren wir damit mit die ersten an der Kreuzung Albertplatz, zusammen mit ein paar GewerkschafterInnen 4 Leuten von der Antifa und etwas später eintrudelnden Mitgliedern anderer Jugendorganisationen. An der Stelle war noch nicht absehbar, wie erfolgreich die Aktion werden würde und das wir am Nachmittag dann letztlich sicher sein konnten: Der Naziaufmarsch wurde erfolgreich blockiert. Denn an der Kreuzung befanden sich zu diesem Zeitpunkt beinahe mehr Polizeikräfte (inkl. Kamera und Wasserwerfer) als GegendemonstrantInnen und fröhlich wurde auch direkt die erste Person zur Machtdemonstration von der Polizei in Gewahrsam genommen. Danach wurde der Platz geräumt und wir wurden zurück gedrängt, gingen aber gaaaaaaanz langsam und blieben letztlich an der Ecke des Platzes stehen.
Auch in den Wochen davor hatte sich das Bündnis “Dresden Nazifrei”, inkl. unterstützende Organisationen, immer wieder willkürlichen Repressionen ausgesetzt gesehen. Die ursprüngliche Homepage wurde gesperrt und verschiedene Räume durchsucht, wobei Rechner und Plakate beschlagnahmt wurden. Auch Busunternehmen wurden vom Staatsschutz bedrängt keine DemonstrantInnen nach Dresden zu befördern. Abschrecken ließ sich davon allerdings niemand, es gab vielmehr neuen Ansporn, ähnlich wie wir es als unsere Pflicht sahen nach den Übergriffen auf unseren Bus im letzten Jahr, auch in diesem Jahr wieder Flagge zu zeigen.
Aber zurück zur Kreuzung. Dort wurde ein Teil der Ordnungskräfte abgezogen, was uns zeigte, dass offenbar rund 30 Busse aus Berlin endlich angekommen waren. Auch unsere Delegation am Albertplatz war inzwischen auf rund 800 bis 1000 Menschen angeschwollen und so nutzen wir die Gelegenheit und nahmen den Platz und vor allem die anliegende Kreuzung wieder in Beschlag, meldeten eine Demo an und waren somit einer der entscheidenden Blockadepunkte. Dieser konnte dann den Tag über behauptet werden und das vollkommen friedlich, was für uns auch immer der Grundkonsens war und ist.
Eine mobile Bühne hielt uns dann auf dem Laufenden, auch wenn sechs Helikopter oftmals die Musik von u.a. Konstantin Wecker (in diesem Video auf unserer Kreuzung befragt) und Jochen Distelmeyer (Blumfeld) übertönten. Die Polizeipräsenz allerdings war unübersehbar, alleine auf der rechten Seite der Kreuzung standen 7 Hundertschaften auf Abruf bereit. Neben den großen Blockaden kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Polizei, Nazis und Linken, bei denen aber kein Juso verletzt wurde. Vereinzelt kam es auch zu Räumungen und Festnahmen. Die Kreuzung, auf der wir standen, zu räumen war aber unmöglich, weil das Bündnis eben wirklich ein breites war. Da waren alle Altersklassen, vom Kindergartenkind bis zum Rentenalter, alle Hautfarben und die meisten linken Gruppierungen friedlich versammelt und lauschten den Worten von anwesenden PolitikerInnen, darunter auch Franziska Drohsel.
Gegen 16 Uhr stand dann endgültig fest: Die Nazis werden nicht marschieren können. Spätestens dann war klar, dass sich die beschwerliche Fahrt und die abgefrorenen Füße gelohnt haben. Wir NRW Jusos haben ein kleines und bescheidenes Stück zum großen Ganzen beigetragen, so wie alle, die angereist waren, um die große Zahl an GegendemonstrantInnen erst möglich zu machen. Wir haben dazu beigetragen, dass an diesem Tag der Naziaufmarsch verhindert wurde.
Einige Berichte zu Dresden 1, 2, 3, 4
Übrigens: Es gab auf der anderen Elbseite, ziemlich weit vom Geschehen entfernt eine Menschenkette, als Zeichen gegen die Nazis. In der Neustadt, wo wir waren und wo es darauf ankam Gesicht zu zeigen, war davon nichts zu sehen (Sächsische Zeitung: “Die Rechtsextremen werden sich vor dem Neustädter Bahnhof versammeln. Dieses Areal sollte man großräumig meiden”). Aber ist natürlich trotzdem nett, also besser als nichts, auch wenn es nicht zur Verhinderung des Aufmarsches beitrug. Leider respektieren manche TeilnehmerInnen der Menschenkette, beispielsweise die CDU Oberbürgermeisterin der Stadt, umgekehrt nicht das Engagement der friedlichen DemonstrantInnen in der Neustadt.
Schlagworte: Antifa, Antifaschismus, Blockade, Nazis, Rassismus
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Mi, 17.02.2010
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