Archiv für September, 2010
Das Mittagessen hat die Gruppe heute im WBC selbst gekocht. Und es schmeckte.
Den Nachmittag verbrachten wir in Bethlehem. Obwohl die Stadt direkt vor den Toren Jerusalems liegt, dauert es etwas länger bis der Checkpoint passiert ist. Zunächst besuchten wir die Geburtskirche. Anschließend erhielten wir von Andreas von der Organisation “Dar Annadwa” Einblicke in deren Friedensarbeit zum Aufbau von zivilgesellschaftlichen Strukturen. Ein interessanter Tag, der uns die “Mauer” und ihre Bedeutung für beide Seiten vor Augen führte.
Heute ist ein jüdischer Feiertag und entsprechend leer sind die Straßen. So konnten wir in Ruhe mit dem Bus den Ostteil von Jerusalem erkunden. Dabei hat uns ein super deutsch sprechender Reiseführer die Bedeutung der “Mauer” für die Israelis und die dadurch entstehenden Probleme für die Palästinenser erläutert. Bei strahlendem Sonnenschein und in glühender Hitze konnten wir von unseren jeweiligen Aussichtsspunkten beeindruckende Blicke vom Ölberg auf die Wüste Judäa und die Stadt werfen.
Ohne größere Probleme sind gestern Abend wir 15 Jusos aus NRW in tropischer Hitze in Israel gelandet und wurden von Jakob aus dem Willy-Brandt-Zentrum freundlich empfangen.
Nachdem wir unser uhriges Domizil beim Jaffa-Gate in Jerusalem bezogen hatten, starteten wir einen Ausflug in die Gassen der Altstadt. Die gewonnenen Eindrücke konnten wir heute dank eines herausragenden Touristenführers vertiefen. Bei knalliger Sonne erkundeten wir die bedeutendsten Heiligtümer der drei monotheistischen Religionen: Steckten Zettel in die Ritzen der Klagemauer, hatten die seltene Gelegenheit auf den Tempelberg zu steigen und wunderten uns über die Pilger in der Grabeskirche.
Anschließend waren wir zu Gast im WBC und konnten mit einem Soziologen über die israelische Gesellschaft diskutieren. Auf der Terrasse genießen wir gerade die kühlere Abendluft und unser Abendessen.
Wir grüßen alle NRW Jusos aus dieser unglaublich eindrucksvollen Stadt.
Bedauerlich, dass deutsche RichterInnen unser Grundgesetz nicht beachten wollen und erst vom europäischen Menschengerichtshof gestoppt werden können: Endlich dürfen die Kirchen ihre ArbeitnehmerInnen nicht mehr entlassen, nur weil sie sich scheiden lassen. Damit dürften die Zeiten der umfassenden arbeitsrechtlichen Schutzlosigkeit der MitarbeiterInnen konfessioneller Einrichtungen der Vergangenheit angehören. Dass die bisherige Praxis menschenverachtend war, hätte auch deutschen Gerichten auffallen können. Aber auf diesem Auge war Justitia schon immer blind.
Die Kirchen sind nach dem Staat der zweitgrößte Arbeitgeber. Im erzieherischen, pflegerischen und sozialen Bereich beherrschen die Kirchen den Arbeitsmarkt. Und obwohl sie für ihre Dienste zu über 90% staatliche Gelder erhalten, konnten sie bisher zu 100% die Arbeitsmoral festlegen. Künftig müssen Gerichte zwischen dem Recht auf Privatheit, wie es Art 2 GG eigentlich vorbehaltlos allen Menschen garantiert, und dem Sonderrecht der Kirchen abwägen.
Der arbeitsrechtliche Sonderstatus schmiltzt – und das ist gut so. Noch besser wäre eine völlige Abschaffung desselben.


Do, 30.09.2010
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