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for designPascal Geißler for designMi, 17.11.2010
Abgelegt in: Allgemein, Netzpolitik

Axel E. Fischer fordert…Quatsch!

Der CDU-Abgeordnete Axel E. Fischer ist spätestens am vergangenen Wochenende zu einer Ikone im Internet geworden. Sein Vorschlag: genauso wie auf Demonstrationen müsste im Internet ein “Vermummungsverbot” gelten,  um Niveau und Qualität von Diskussion zu steigern. Sei Vorwurf: dadurch, dass sich Webuser selbst Pseudonyme geben, würden sie sich der Verantwortung für ihre Aussagen entziehen und sich verstecken. Axel E. Fischer ist Vorsitzender der “Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft” des Deutschen Bundestags, also jemand von dem man erwarten würde, sich irgendwie “im Internet” auszukennen. Ganz offensichtlich ist das nicht der Fall – oder Herr Fischer war zu lange im Internet und hat etwas den Sinn für die Realität verloren.

Zugegeben, in den letzten Jahren haben immer mehr Angebote und Portale so etwas wie eine Klarnamen-Pflicht eingeführt (so zum Beispiel das oft gescholtene Facebook…). Aber selbst in Foren oder Gästebüchern wo dies nicht der Fall ist, lassen sich Nutzer entweder durch Registrierung oder im schlimmsten Fall via IP-Adresse identifizieren. Auf der Straße und in einem Cafe muss ich mich u.U. auch identifizieren, wenn ich z.B. einen Unfall verursacht habe – aber so lange ich einfach nur die Straße entlang gehe, zeige ich zwar mein Gesicht, aber ich trage kein Namensschild auf der Stirn. Und um die Offline-Vergleiche noch einen Moment weiter zu bemühen, sei darauf hingewiesen, dass Leserbriefe in Zeitung häufig auch ohne Namen oder mit einem Kürzel abgedruckt werden.

Andersherum gibt es Momente, in denen man gar nicht identifiziert werden möchte. Wie sollten den Meinungsäußerungen einer verfolgen Minderheit oder einer durch sonstige Repression verfolgten Gruppe erfolgen, wenn nicht anonym? Wer will denn, dass er auf einer Demo erkannt wird, damit ihm bei nächster unbeobachter Gelegenheit von einer Schlägertruppe mit anderenMeinungen aufgelauert wird? Demokratie lebt davon, dass Meinungen geäußert werden können, bei denen man vor Repressalien geschützt ist!

Ich weiß auch gar nicht, was ich lustiger finde – das vermeintliche Problem oder Fischers Lösungvorschlag? Der lautet nämlich: E-Perso…aber bevor ich mich darüber auch noch auslasse, gehe ich lieber das Internet ausdrucken. Wer sich dafür interessiert, was Herr Fischer sonst noch so fordert, der findet hier und hier noch ein paar Ideen.

P.S. Dieser Blog-Eintrag ist übrigens nicht anonym, wie man oben lesen kann. Ganz anders als eine Homepage, die Herr Fischer selbst betreibt

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