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for designTaner Uenalgan for designFr, 14.01.2011
Abgelegt in: Media, Netzpolitik

Es sind unsere (!) Medien in der Zukunft!

Im Gelsenkirchener DGB-Haus der Jugend fand heute die Veranstaltung “Links 2011: Unsere Medien in der Zukunft?” statt. Die von den Gelsenkirchener Jusos, der Gelsenkirchener SPD und dem Juso-Bundesverband organisierte Diskussion zu einem wirksamen Jugendschutz nach der Ablehnung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrages wurde konstruktiv und vorwärtsgewandt geführt, die Veranstaltung war mit modernen Elementen durchzogen. Als besondere Gäste erschienen Marc Jan Eumann (pro JMStV), Staatssekretär im Ministerium für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien NRW und Vorsitzender der Medienkommission des SPD-Parteivorstandes, Markus Töns, Landtagsabgeordneter in NRW und Mitglied des Haupt- und Medienausschusses (contra JMStV), Michael Reschke, der im Juso-Bundesvorstand für Umwelt- und Netzpolitik zuständig ist und Pascal Geißler, der für die Netzpolitik Mitglied im Landesvorstand der NRW Jusos ist. Livestream, Chat und twitterwall waren ebenfalls aufgebaut und so konnten einige Zuschauerinnen und Zuschauer die Veranstaltung auch von Zuhause verfolgen und kommentieren.

Nachdem wir Brötchen gegessen, ein Getränk zu uns genommen und uns schon mal gegenseitig kennengelernt hatten, konnte es losgehen: Ich eröffnete die Veranstaltung. Nachdem ich die anwesenden Gäste begrüßt und einige allgemeine Worte zur Organisation und zum Ablauf der Veranstaltung verloren hatte, zeigte ich fünf kurze, witzige Videos vom Barcamp Netzpolitik der SPD (aus diesem Video). Marc Jan Eumann übernahm und hielt ein Impulsreferat zum gescheiterten JMStV und erklärte, wie er sich den weiteren Prozess vorstellte: Nämlich gemeinsam. Außerdem machte er deutlich, dass es bei der Diskussion um eine Balance zwischen Artikel 5-1 und Artikel 5-2 des Grundgesetzes ginge: Um eine Balance zwischen den Freiheiten und des Schutzes Minderjähriger.

Marc Jan füllte die in meinem Konzept vorgelegten 15 Minuten wunderbar aus und Sebastian Watermeier, Vorsitzender der Gelsenkirchener Jusos leitete in die gemeinsame Diskussion ein, in dem er Michael und Pascal von den Jusos fragte, inwiefern sie den JMStV kritisierten und was mögliche Alternativen aus ihrer Sicht seien. Aus diesen ersten Wortbeiträgen entwickelte sich eine lebhafte Diskussion und auch, wenn jemand Fachliches nicht ganz verstand, wurde geholfen. Auch Fragen der ZuschauerInnen im Livestream, wann z.B. mit einem neuen JMStV-Entwurf zu rechnen sei, wurden aufgenommen und beantwortet (in diesem Fall machte Eumann deutlich, dass es, aufgrund der anstehenden Landtagswahlkämpfe in 2011, etwas länger dauern könnte). Fragen, die aufgrund der Zeit nicht beantwortet werden konnten, möchte Marc Jan noch per facebook beantworten. Bereits am Anfang wurde positiv angemerkt, dass das Thema Medienkompetenz nun endlich, nach langen Jahren, auf der politischen Tagesordnung steht.

Ich selber musste einmal, in Ermangelung eines anderen Begriffes, das Wort “Netzcommunity” benutzen und als aus dem Publikum nach Alternativen zum JMStV gefragt wurde, erklärten Michael und Pascal z.B. die Möglichkeit des Crowdsourcing zur Bewertung von Altersfreigaben im Internet. Dabei werden Websites von der Crowd gemeinsam in Bezug auf Freigaben bewertet. Kritisiert wurde daran, dass dann die Leute, die sehr aktiv im Netz sind über die Freigaben anderer entscheiden würden.

Sebastian fasste zum Abschluss die einzelnen Positionen eloquent zusammen: Marc Jan Eumann findet den jetzt abgelehnten JMStV-Entwurf ganz okay, besser als den alten und möchte einen standardisierten, verlässlichen Jugendschutz als Angebot und mithilfe von Instrumenten, wie z.B. Software. Er macht das Angebot, alle Vorschläge für einen neuen Jugendschutz zu prüfen. Michael und Pascal warnen vor den Gefahren von potentiellem Missbrauch beim jetzt abgelehnten JMStV und finden, er richte sich zu sehr nach einem standardisierten Angebot. Die Crowdsourcing-Potentiale sollten genauer geprüft und die Eigenverantwortung der User gestärkt werden. Markus findet, dass der Schlüssel zum wirksamen Jugendschutz die Medienkompetenz ist und eine mögliche Softwarelösung keinen ausreichenden Jugendschutz leisten kann.

In seinem Abschluss-Statement hat Michael es ganz richtig gesagt: Es ist gut und richtig, dass wir an diesem Abend nicht nach zwei Stunden Diskussion rausgehen und das Wundermittel, den Stein der Weisen, die Lösung gefunden haben. Heute fand in Gelsenkirchen die erste Veranstaltung zu diesem Thema in 2011 statt und sie war ein guter Auftakt für weitere Diskussionen und die Suche nach einer gemeinsamen Idee für einen wirksamen Jugendschutz. Diesen Anspruch haben wir in Gelsenkirchen auch an die Veranstaltung gestellt.

Wir wissen um die Probleme und wir diskutieren um Antworten. Und die Energie, die daraus entsteht, sich gemeinsam mit diesen Zuständen zu beschäftigen, darüber zu sprechen und nach Antworten zu suchen, die habe ich nach diesem Abend gespürt. Erschöpft werde ich gleich ins Bett fallen. Das aber, in dem beruhigenden Wissen, dass wir beim Thema Jugendschutz auf einem guten Weg sind und ich dank des Geschenkes von Marc Jan nun eine Tasse mehr in meinem Schrank stehen habe.

Für eine großartige Diskussion, Unterstützung und Teilnahme möchte ich mich insbesondere bedanken bei: Marc Jan Eumann, Markus Töns, Michael Reschke, Pascal Geißler, Sebastian Watermeier, Sebastian Kolkau, Jan Dworatzek und Tobias Lang. Für die technische Unterstützung bedanke ich mich bei der Internet-Plattform www.FuerFrei.de.

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