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for designFlorian Meyer for designDo, 27.01.2011

“Super Grobi” auf der Hardthöhe

In den vergangenen Tagen und Wochen konnten wir Zuschauer eines einmaligen Schauspiels werden. Nach Monaten der Vertuschung und der Fehlinformation kommen durch den Wehrbeauftragten unglaubliche Fakten zu Tage. Da stirbt eine Soldatin auf der Gorch Fock und die wahren Zustände auf dem Aushängeschild der Marine werden nicht aufgedeckt. Da wird die Feldpost von SoldatInnen geöffnet und müssen nachträglich begründet werden, da USB Sticks gefunden worden seien. Da wird der Öffentlichkeit und wahrscheinlich auch der Familie des betroffenen Soldaten berichtet, dass er durch seine eigene Waffe gestorben sei.

Welche Zustände herrschen also in der Bundeswehr? Offensichtlich ist nichts so, wie es scheint.

Zu allem Überfluss fliegt dann jedoch Super Grobi herbei und reagiert. Nun könnte diese Reaktion natürlich als konsequent gelten. Aber ist es konsequent, wenn ein Kapitän suspendiert wird, weil das Kampfblatt der Springer Presse mit einer großen Aufmachung droht? Hätte die Suspendierung nicht unabhängig geschehen müssen, wenn sie denn berechtigt ist?

Erfuhr der Herr Minister tatsächlich erst durch die Informationen des Wehrbeauftragten von den vorherrschenden Zuständen? Wenn ja, warum wird er nicht von eklatanten Fehlverhalten unterrichtet? Wenn nein, warum handelte er nicht eher und entsprechend konsequent, wie er es jetzt versucht vorzugaukeln?

Es entsteht ein fahler Beigeschmack. Der Minister scheint wieder einmal den großen Effekt erheischen zu wollen. Statt von vornherein die Fälle aufzuklären und die skandalösen Zustände im Ministerium zu beseitigen, wird ein Kapitän entlassen, die Gorch Fock mehr oder minder außer Dienst gestellt und gegen den politischen Gegner fleißig Breitseiten abgefeuert.

Wie aber sollen die Menschen in Deutschland Vertrauen in eine Armee fassen, dessen Minister nur das große Spektakel sieht? Als frischgebackener Wirtschaftsminister direkt nach New York zum Fotoshooting zu fliegen mag sicherlich unwürdig sein, jedoch nicht gefährlich. Als Verteidigungsminister aber lieber mit der neugierigen Gattin nach Afghanistan zu fliegen und eine PR Show abzuziehen anstatt sich um die Zustände in der Bundeswehr zu kümmern, ist eines Verteidigungsministers nicht würdig.

Als Bürger in Deutschland wäre mir weniger Pomade und Glamour lieber! Zum Einsatz in Afghanistan gibt es zahlreiche verschiedene Meinungen. Ein Vertrauensverlust in die Bundeswehr auf Grund einer Ministeriellenfehlbesetzung schadet aber auf jeden Fall allen beteiligten.

Daher bleibt die Frage, ob ein fleischgewordener Super Grobi von der Hardthöhe die richtige Besetzung ist.

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