Datenschutz im Alltag
Das Stichwort “Datenschutz” hat in den vergangenen Monaten viele Debatten befeuert und dominiert. Google Street View, Privatsphäre bei Facebook, Arbeitnehmerdaten in Unternehmen, Vorratsdatenspeicherung und Co sind da die leuchtenden Schlagworte. Was mich an dieser Debatte immer wieder irritiert ist, wie sehr Politik (z.B. Frau Aigner) und Gesellschaft (z.B. die Zeitung mit den vier Buchstaben) dann immer nach härteren Strafen für Datenschutzverstöße und nach strikteren Gesetzen schreien um Betroffene besser zu schützen.
Gleichzeitig ignorieren die Protagonisten in diesen Debatten allzu häufig, dass sie dabei immer nur auf die Spitze des Eisbergs zielen und die schleichende Durchsetzung des Alltags mit Datensammlung ausblenden. Natürlich sind die Privatsphäre-Einstellungen bei Facebook alles andere als intuitiv und Vorratsdatenspeicherung ist ein uverhältnismäßiger Eingriff in Grundrechte, aber wäre es nicht sinnvoller mal mit dem Finger auf die vielen kleinen Datenschutzprobleme zu zeigen als immer nur die großen Verstöße anzuprangern. Habt ihr schonmal drüber nachgedacht, welche eurer Daten eigentlich übermittelt werden, wenn ihr im schwedischen Möbelhaus mit der EC-Karte zahlt und was das Unternehmen damit macht? Was ihr alles unintendiert preisgebt, wenn ihr mit eurer Kundenkarte im Supermarkt “Punkte sammelt”? Was genau ihr eigentlich erlaubt, wenn ihr bei den AGB der neuesten App einfach auf akzeptieren klickt?
Überall werden Daten gesammelt, gespeichert und ausgewertet – und wir machen fröhlich mit. “Alles im Sinne des Kundenservice” und “was solls, ich hab ja keine Geheimnisse” sind dann die Legitimationen. Wer denkt da über die Konsequenzen nach? An meiner Uni kann man man mit einer elektronischen Karte den Bus nutzen, kopieren, in der Mensa bezahlen, und Bücher in der Bib ausleihen – ich gebe zu, sehr komfortabel. Aber was wäre eigentlich, wenn mal jemand auf die Idee käme aus den übermittelten Daten ein Bewegungsprofil zu erstellen? Er hätte einen ziemlich guten Überblick über meinen Tagesablauf und meine Aufenthaltsorte. Will ich das oder habe ich dem zugestimmt? Nein, natürlich nicht. Ich habe nur zugestimmt, dass die Daten zu Zwecken genutzt werden, die für die Abwicklung der Prozesse notwendig sind. Aber die Daten liegen vor – und das erzeugt natürlich Interesse. Erinnert sich noch jemand, dass die Maut-Systeme natürlich auch nur für Abrechnungszwecke vorgesehen waren? Heute sind sie auch gleich noch sehr bequem in die Strafverfolgung eingebunden, weil Kennzeichen damit gut aufzuspüren sind. Meine Bewegungsdaten an der Uni sind vielleicht auch irgendwann mal strafrechtlich relevant – aber eigentlich sind sie vor allem für Werbekunden sehr viel spannender. Daten sind bares Geld wert – nicht erst, wenn jemand damit Unfug treiben will.
Wer seine Daten schützen will, behält sie für sich und vertraut nicht gutgläubig auf die Verheißung der Bequemlichkeit und des Kundenservice.


Do, 10.02.2011
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