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for designSebastian Hammer for designMi, 09.03.2011
Abgelegt in: Allgemein, Antifa

“Alerta! Alerta! Antifascista?!” – Dresden 2011 – Jusos blockieren Naziaufmarsch

2 Wochen sind vergangen, die Gemüter haben sich beruhigt…es ist die Zeit für einen Rückblick…

Samstag, 19. Februar 2011,  2:00 Uhr morgens, irgendwo zwischen Kassel und Dresden…vier Busse fahren kurz hintereinander einen Autobahnrastplatz auf der A7 an. Einige Schwarzgekleidete springen aus dem ersten Bus und schauen sich auf dem Rastplatz genau um. Ein ganz normaler Samstagmorgen?…

…Nein! Die NRW Jusos befinden sich in einem Konvoi gemeinsam mit einigen Solid-, Antifa-, SDAJ- und Juso-Bussen auf dem Weg zu Europas größter Nazidemo. Das Ziel? Die Nazis dürfen nicht marschieren. Das Motto des Aufmarsches ist dasselbe wie in jedem Jahr, bereits die Begrifflichkeit „Bombenholocaust“ zeigt den stark geschichtsrevisionistischen Ansatz auf Seiten der Faschistinnen und Faschisten. Das Motto der etwa 20.000 Gegendemonstrierenden wie im letzten Jahr „Dresden nazifrei“. Auch in diesem Jahr haben wieder zahlreiche Menschen aus Politik und Gesellschaft dazu aufgerufen sich in Dresden zu engagieren und mit den Möglichkeiten des Zivilen Ungehorsams den Aufmarsch der Nazis aus ganz Europa zu verhindern. Mit von der Partie sind Menschen von den Toten Hosen über Abgeordnete der Linkspartei bis hin zu „Thierse Blockier´se“ unser stellvertretender Bundestagspräsident.

Die Strategie der Polizei in diesem Jahr musste anders sein als im letzten Jahr. Das war das Ergebnis eines Sachsener Verwaltungsgerichtsurteils auf dem sich auch die Nazis ausruhen wollten. Die Polizei teilte die Stadt in zwei Zonen, ließ die Busse getrennt nach Gruppen nur von der Autobahn und nutzte den Bahndamm als Trennlinie zwischen den Demonstrierendengruppen.

So ging dann in einem Konvoi von über 20 Bussen auf der Autobahnabfahrt alles sehr rasant.  Wurde noch im Bus auf den letzten Metern die Bildung von Bezugsgruppen organisiert, während die Busse am Ende der Abfahrt wieder auf die Autobahn geleitet werden sollten, gingen plötzlich die Türen aus allen Bussen auf und eine Gruppe von ca. 1000 Demonstrierenden stand auf der Autobahnabfahrt, mittendrin – die Jusos. Da wusste auch die Polizei, dass der Plan wohl nicht aufgegangen war.

In Dresden angekommen machte mensch sich auf den Weg, einen langen Fußmarsch vom Rande Dresdens zum Bahnhof anzutreten, wo die Nazis ihre Anreise organisieren mussten. Bereits noch weit von der möglichen Naziroute entfernt, setzte die Polizei ein Zeichen. Es kam zu einem großflächigen Pfefferspray Einsatz gegen die Gegendemonstrierenden ohne klar ersichtlichen Grund und Vorwarnung. Die Gruppe wurde in verschiedene Teile zersprengt und die NRW Jusos machten sich mit ihren Bezugsgruppen von „Bus“ bis „Fischstäbchen“ als Kleingruppe weiter auf den Weg. Dieser Kleingruppe war es auch zu verdanken, dass man so nah an einen der Kundgebungsorte herankam wie nur wenige Andere. Genutzt hatte es nichts, weg geschickt vom hohen Polizeiaufgebot von Hundestaffel bis Wasserwerfer zog mensch sich auf den Campus der Uni zurück, welche ihre angemeldete Demonstration, auf Druck der Polizei hin, einen Tag zuvor absagte.

Gegen Mittag und nach den Beschwerden Einiger, dass es doch recht langweilig wäre, ging es schneller als einigen lieb war. Eine Polizeiblockade wurde komplett aufgegeben und große Gruppen des schwarzen Blocks und anderer Gruppen zogen in das Sperrgebiet – Jusos im Schlepptau. Da wurde es dann nochmal turbulent. Während einige Jusos brennende Blockaden fotografierten für ihr Fotoalbum, drohte die Situation zwischen Polizei und schwarzem Block zu eskalieren. Nachdem einige Randalierer, die leider im schwarzen Block dabei waren, Steine und Feuerwerkskörper warfen hieß es für die Polizei „Knüppel und Pfefferspray frei“. Wir konnten uns als Jusogruppe unter den argwöhnischen Blicken der gehetzten PolizistInnen noch an einer Mauer in Sicherheit bringen und haben dann nach den doch blassen Gesichtern einiger Mitfahrender den Heimweg angetreten.

Festzuhalten sind nach dieser Demo verschiedene Dinge:

Es ist wieder gelungen den Naziaufmarsch zu blockieren und das auch unter großer Jusobeteiligung (knapp 100 Jusos aus NRW) – Es lohnt sich immer gegen Geschichtsrevisionismus und rassistische Hetze auf die Straße zu gehen!

Wir müssen als NRW Jusos nach den Erfahrungen von Dresden, aber auch den Polizeiaktionen, welche aus der Nachberichterstattung deutlich wurden – bspw. Die Durchsuchung der Bündnisräumlichkeiten – mit Nachdruck für unsere Forderung der individuellen Kennzeichnungspflicht für Polizistinnen und Polizisten eintreten!

In diesem Sinne, vielen Dank an alle Beteiligten  -  bis im nächsten Jahr und – No pasarán!

Ben kommentiert am Mi 09.03.2011 15:42:

Liebe NRW-Jusos,

ich spreche mal stellvertretend für alle DresdnerInnen einen großen Dank an euch aus! Eure Unterstützung war top, ohne die vielen Leute, die extra nach Dresden gereist sind, hätten wir die Nazis nicht blockieren können. DANKE!

Alerta!
Ben
Vorsitzender Jusos Dresden

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