Gehör verschaffen für die, die zu schnell vergessen werden!
Während zurzeit die Medien und andere Akteure sich auf die Katastrophe in Japan, die Ereignisse in Libyen (verständlicher Weise!!) und nun auf den Stifteklau von Václav Havel stürzen (unverständlicher Weise, wenn auch sehr amüsant), dürfen andere wichtige Ereignisse auf dieser Welt nicht unbeachtet bleiben!
So zum Beispiel die Situation an der Elfenbeinküste oder in Haiti oder Zentralafrika oder oder oder (die Liste ist lang!)…
Die Situation an der Elfenbeinküste, auch wenn der abgewählte Despot Laurent Gbagbo nun festgenommen wurde, ist katastrophal. Noch immer gibt es blutige Auseinandersetzungen und die Bevölkerung traut sich nicht aus ihren Häusern.
In Haiti läuft der Wiederaufbau nach dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 nur sehr schleppend und noch immer sind 700.000 Menschen obdachlos. Berichterstattungen findet man jedoch so gut wie gar nicht mehr.
Einige mögen argumentieren, dass der Nachrichtenwert bei dauernden Krisen eben nicht mehr so hoch ist, dass wir in einer schnelllebigen Zeit leben und dass die Nachfrage nach aktuellen Ereignissen eben höher ist als bei Krisen, die schon länger andauern. Und wenn man einmal anfängt über dauernde Krisen zu berichten, kann man so schnell auch nicht mehr aufhören und wie soll man es dann schaffen, seine Auflagen, seine Quoten zu steigern??
Erschreckend ist gleichzeitig die Entwicklung, dass viele nur bereit sind zu spenden, wenn etwas Schreckliches passiert ist. Dann fährt ein Ruck durch die Bevölkerung und man hat den Eindruck als würden überall Gutmenschen erwachen, die sonst selten zu sehen sind und sich dann vermutlich noch über zu hohe Steuern beschweren, die sie zahlen, obwohl genau diese ebenfalls in die Entwicklungspolitik fließen. Grundsätzlich ist das Spenden nicht zu verurteilen und es ist schön, wenn Menschen eine Solidarität mit Menschen zeigen, die sie nicht kennen und die auf der anderen Erdhalbkugel wohnen. Zugleich sind auch die Hilfsorganisationen von diesen Gutmenschen abhängig und auch ich habe schon oft dem Impuls nachgegeben, nach einer schrecklichen Katastrophe, wie in Pakistan, Geld zu spenden.
Dennoch dürfen die Politik und insbesondere wir Jusos unseren Fokus nicht nur auf die Vorfälle legen, die gerade aktuell sind und von den Medien bedient werden.
Wir sind gefragt, wenn es darauf ankommt, auf Konflikte und Länder hinzuweisen, die schon längst aus der Öffentlichkeit verschwunden sind, jedoch immer noch von Problemen, Armut und Kriegen gebeutelt sind und nach wie vor unsere Hilfe und Unterstützung benötigen!
Immer wieder müssen wir uns für eine (finanzstarke) Entwicklungspolitik einsetzen, die von allen Menschen getragen werden muss und nicht abhängig von Spenden oder plötzlichen Katastrophen sein darf! Natürlich gilt das nicht für das Unglück in Japan – diese Katastrophe schien trotz hoch technologisierter Ausrüstung nicht vorhersehbar. Doch viele Konsequenzen anderer Unglücke müssen lange nicht so hart ausfallen, wie sie es in den meisten Fällen tun. Mit einer Entwicklungspolitik, die mit vielen Ressourcen ausgestattet ist, kann es gelingen, viele Investitionen in Prävention zu tätigen, die ärmeren Ländern mehr Schutz vor Katastrophen bietet (wie im Falle Haiti oder Pakistan)! Bei aller Solidarität mit Japan dürfen andere Konflikte nicht an Wichtigkeit verlieren!


Do, 14.04.2011
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