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for designPascal Geißler for designMi, 27.04.2011
Abgelegt in: Allgemein, Antifa

Warum ich -wegen- Thilo Sarrazin in der SPD bleibe!

Die Überschrift mag irritieren, daher beginne ich meinen Beitrag mit einer wichtigen Klarstellung: Ich lehne die Positionen und Thesen, die Thilo Sarrazin in seinem Buch “Deutschland schafft sich ab” und in der daran anschließenden Diskussion vertreten hat, entschieden ab und distanziere mich ausdrücklich von sozialdarwinistischen, diskriminierenden und eugenischen Meinungen. Genauso wenig kann ich die von ihm unterzeichnete Erklärung oder das Einknicken der Antragssteller im Ausschlussverfahren akzeptieren. ABER: das ist für mich kein Grund diesem Hetzer das Feld zu überlassen!

Ich bin Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, weil ich gestalten will! Und das bedeutet auch, die SPD gestalten zu wollen! Daher ist es für mich persönlich kein Ausweg, die Partei zu verlassen und Thilo Sarrazin damit Genugtuung  oder Erfolg zu verschaffen. Wenn er glaubt, in der SPD seien seine Aussagen und Kommentare mehrheitsfähig und akzeptiert, dann will ich einen Beitrag dazu leisten, genau das zu verhindern.
Meinungsviefalt ja – Beliebigkeit nein! Es gibt Grundwerte in der SPD und diese sind unverletztlich. Wer sich an diesen Werte vergeht, der darf nicht den Anspruch haben in der SPD akzeptiert oder auch nur geduldet zu werden.

Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung einzelner, nach den Geschehnissen die SPD zu verlassen und persönlich Konsequenzen zu ziehen, insbesondere bei GenossInnen, deren indidivuelle Biographie von aktiven Widerstand und dem Kampf gegen Unterdrückung geprägt ist. Die Austritte von Ulrich Kasparick und Sergey Lagodinsky empfinde ich als großen Verlust für die SPD und dennoch kann ich sie nachvollziehen. Im Sinne der “Berliner Erklärung” entschuldige ich mich bei allen, die sich durch den Kurs der Parteispitze “verletzt oder enttäuscht fühlen”.

Ich kann nicht akzeptieren, dass (Alltags-)Rassismus in Gestalt von Sarrazin einen Platz in der SPD hat und werde weiter für eine freie und solidarische Gesellschaft kämpfen.
Und nun? So tun als wäre nichts gewesen? Nein! Thilo Sarrazin mag zwar noch Mitglied der SPD sein und das auch weiterhin bleiben. Sozialdemokrat ist er keiner mehr, Genosse noch weniger. Es gibt Grenzen und Thilo Sarrazin hat diese überschritten. Daraus ziehe ich die Konsquenz, neue Grenzen zu ziehen. Ich werde in Zukunft ausschließlich von “Herrn Sarrazin” sprechen (das Genossen-Du ist m. E. ein hohes Gut, dass es aus historischen Gründen zu schützen gilt!), Veranstaltungen auf denen er auftritt konsequent fernbleiben und seinen Thesen und Mutmaßungen aktiv entgegentreten. Sein Gedankengut darf in der SPD keine Bühne haben!

Abschließend: Auch mir sind in der Debatte immer wieder Menschen begegnet, die Sätze wie “Ich find’s ja auch nicht richtig, aber er belegt seine Thesen ja mit Statistiken und wissenschaftlichen Daten” oder “Er hat doch recht, das Buch ist ja auch wissenschaftlich belegt” geäußert haben. Gut ihr Lieben, man kann auch statistisch belegen, dass der Storch die Kinder bringt – wahr wird diese These damit trotzdem nicht.

Tim O. kommentiert am Mi 27.04.2011 10:42:

Hallo Pascal,

danke für deinen Eintrag, ich kann ihm nur voll zustimmen! Eine der besten Bekenntnisse zur Sozialdemokratie, die ich in den letzten Tagen lesen durfte.

Gruß,
Tim

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