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for designSusanne Kubiak for designDo, 12.05.2011
Abgelegt in: Europa, Integration

Schengen? Ja bitte!

Ich komme aus Aachen. Mein IKEA steht in Heerlen. Zum Shoppen oder studieren kann man schnell nach Maastricht. Von Natur aus supporte ich Roda Kerkrade.  Wenn ich was vom Supermarkt brauche, fahr ich mal schnell nach Eynatten oder Raeren. Und Nachtbusse gibt es auch ganz selbstverständlich nach Kelmis und Vaals.

Während Ruhrgebietskinder sich beim Verlaufen schnell in der nächsten Großstadt wieder finden, durchqueren wir Grenzlandkinder schnell drei Nationalstaaten.

Ich bin mit all diesen Sachen selbstverständlich aufgewachsen. Diese ominösen Grenzen zwischen den Staaten kennen wir Dreiländer-Eck-Kinder nicht mehr. Schengen sei Dank!

Das Schengen-Abkommen, das mir und anderen BürgerInnen der EU seit Mitte der 1990er Jahre die Reisefreiheit in meine Nachbarkommunen garantiert, das all meinen oben genannten Lebensstandard erst ermöglicht, genau an diesem Schengen-Abkommen wird nun gerüttelt. Warum? Wieso? Ich habe mein Leben an der Grenze nie als bedrohlich empfunden, vielmehr fand ich es immer bereichernd die Wahlfreiheit zwischen drei Ländern zu haben, einfach mal so.

Wenn ich in letzter Zeit die Nachrichten lese, wird mir flau im Magen. RechtspopulistInnen wettern gegen meine Freiheit. Zurück zum Denken im Nationalstaatscontainer.

Man benötigt immer eine Begründung, eine Nichtordnung, um sein Handeln zu legitimieren. Also schaffen RechtspopulistInnen genau in ihrer Agitation diese Nichtordnung – die diffuse Bedrohung durch die bösen Menschen aus dem noch böseren Maghreb, das ominöse Andere – um Ängste zu schüren und so à la Biopolitik (Foucault lässt grüßen) die Freiheit und den Fortschritt der BürgerInnen in der EU zu begrenzen.

Dabei verlieren nicht nur Menschen, die mal kurz im Nachbarland zum IKEA wollen. Es wird ein Feindbild konstruiert, Menschen werden stigmatisiert.

Die GewinnerInnen sind die RechtspopulistInnen mit ihrer Ideologie. Und erfolgreich sind diese, da in Europa immer mehr PopulistInnen an den Stellschrauben der Regierungen drehen. Sei es jetzt Dänemark, die wieder Kontrollen an den Grenzen einführen, oder Berlusconi, der nicht müde wird die Bedrohung aus Nordafrika zu betonen.

Umso wichtiger ist es, hier genau gegen zu stehen. Grenzkontrollen dürfen nicht gegen diffuse Bedrohungen eingesetzt werden. Schengen ist wichtig, es ist das Symbol der Europäischen Union. Dieses Abkommen trägt den Geist Europas, wird es ausgehebelt, bedeutet dies einen deutlichen Rückschritt in Kleinstaaterei.

Und dies wäre nicht nur ein Verlust für uns Grenzlandkinder, die wie selbstverständlich sich zwischen den Ländern hin und her bewegen, sondern für die gesamte Bevölkerung in der Europäischen Union.

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