Dortmund ist rot. Dortmund ist schwarz-gelb. Dortmund ist ganz sicher nicht braun!
Dortmund, die Herzkammer der Sozialdemokratie, muss nun zum siebten mal in Folge für den sogenannten Nationalen Antikriegstag herhalten. Diese Großdemonstration von RechtsextremistInnen, zu der bundesweit mobilisiert wird, findet an jedem ersten Samstag im September statt. Als ob das rechtsextreme Problem der Dortmunder BürgerInnen an normalen Tagen nicht schon groß genug wäre, wird an jenem Samstag die braune Anhängerschaft die Stadt erneut versuchen lahm zu legen.
Dass RechtsextremistInnen Dinge drehen und wenden und unter einem falschen Etikett verkaufen, zeigt sich an dem Tag nochmal allzu deutlich: Der Antikriegstag, 1957 etabliert als datiertes Mahnmal, die Schrecken und Leiden des Zweiten Weltkrieges nicht zu vergessen und die Bevölkerung verwarnend zu erinnern, wird traditionell am 01.September abgehalten – dem Tag des Überfalls auf Polen, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges. Umso bescheuerter, denkt man sich, dass ausgerechnet Neonazis gegen Krieg demonstrieren wollen.
Bescheuert ist das natürlich. Aber die Neonazis haben sicherlich nicht die selbigen Ziele im Sinn, wie die GründerInnen des Antikriegstages. Bei den Rechten versteckt sich eine ordentliche Schippe Geschichtsrevisionismus hinter den Forderungen. Man merkt schnell, wenn man sich den diesjährigen Aufruf der Neonazis durchliest, wie vor dem Deckmantel der Ablehnung von Krieg Antisemitismus, Antiamerikanismus und Ethnopluralismus propagiert wird. Es ist von „imperialistischen Aggressionskriegen“ die Rede, die USA und Israel unterdrücken Staaten und Völker. Hinter den Beschreibungen verbirgt sich der bereits angesprochene Gedanke des Ethnopluralismus, eine Ideologie der Neuen Rechten, nach der jede ‚Ethnie‘ nur in einem bestimmten Territorium eine Bleibeberechtigung besäße. Die Losung die hiermit einher geht, ist die Propagierung rassischer Unterschiede und die daraus resultierende strikte Trennung sogenannter Völker[1]. Wer sich nun denkt, dass das nach Rassismus klingt, dem möchte ich beipflichten, dass dies nicht nur nach Rassismus klingt, sondern auch welcher ist.
Dass die Neonazis sich Dortmund rauspicken für die Verbreitung ihrer menschenfeindlichen Ideen, kommt dabei nicht von ungefähr. Die Stadt im Ruhrgebiet hat insbesondere in der autonomen rechten Szene eine Vorreiterolle. Aber auch der symbolische Wert der Stadt ist laut Heitmeyer für die Rechte Szene nicht zu unterschätzen[2]: Dortmund steht als größte Stadt im Pott stellvertretend für das gesamte Ruhrgebiet. Aktivitäten die in Dortmund passieren haben das Potential auf die gesamte Region zu strahlen.
Jetzt stellt sich die Frage, was tun? Der Kampf gegen Rechtsextremismus ist nicht an einem Tag gemacht. Es ist eine Arbeit die sich über 365 Tage im Jahr, 7 Tage die Woche, rund um die Uhr, erstreckt. Einer von diesen Tagen ist auch der 03.September 2011, an dem die Neonazis wieder zu Hunderten durch die Innenstadt von Dortmund ziehen wollen. Für uns Jusos ist es wichtig, an diesem, wie an anderen Tagen auch, zu zeigen, dass wir hiermit nicht einverstanden sind und rechtsextremen Ideologien keinen Platz überlassen werden, weder in Dortmund noch sonstwo.
Die NRW Jusos haben sich dem Bündnis Dortmund Nazifrei![3] angeschlossen, um alle BürgerInnen, alle DemokratInnen aufzurufen, an diesem Tag den RechtsextremistInnen nicht die Stadt zu überlassen.
Wir stellen uns den RechtsextremistInnen in den Weg, wir werden sie blockieren!
[1] Eine ausführlichere Erklärung des Ethnopluralismus bei der bpb unter http://www.bpb.de/themen/CNCDW9,29,0,Glossar.html
[2] Hierzu die Studie ‚Analysen und Handlungsvorschläge zum Rechtsextremismus in Dortmund‘ der Universität Bielefeld von 2009, online unter http://www.dortmund.de/media/downloads/pdf/vielfalttolernaz/Studie_Analysen_und_Handlungsvorschlaege_zum_Rechtsextremismus_in_Dortmund.pdf
[3] http://dortmundnazifrei.wordpress.com/


Mo, 15.08.2011
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